Was bedeutet Karma

Der Begriff Karma wird in der Literatur oft falsch ausgelegt und in esoterischen Szenen allzu gerne falsch verstanden. Karma bezieht sich auf das eigene, gegenwärtige Leben, und nicht auf das Leben anderer. Wer auf einen verkrüppelten Menschen mit der inneren Einstellung herabsieht, dieser habe die Behinderung seinen eigenen schlechten Taten (eines früheren Lebens) zu verdanken, ist kein weiser Esoteriker. Dieser Mensch ist verblendet, leidet unter mangelndem Mitgefühl und hat den Begriff Karma schlichtweg falsch verstanden. Ebenso lähmt die Ansicht, man hätte in einem „früheren Leben“ etwas falsch gemacht, dass Bewusstsein. Eine derartige Überzeugung macht handlungsunfähig, denn was vergangen ist, ist vergangen. An einem „früheren Leben“ kann man nichts mehr ändern. Man muss es akzeptieren und sich gegebenenfalls mit den faulen Früchten der Vergangenheit arrangieren.

Wie immer: man erntet ausschliesslich, was man gesät hat.

Das Karma begleitet jeden Menschen wie ein zweites Ich. Für die eigenen Taten ist man selbst verantwortlich, nicht aber für die Taten anderer. Kein Gott, keine Gesellschaft und keine Versicherung können einem Menschen die Selbstverantwortung abnehmen. Was auch immer er oder Sie tut, jeder Mensch ist verantwortlich für die eigenen Taten und muss mit den Konsequenzen seins Tuns leben – oder sterben. Diese schlichte und oft doch so unzugängliche Erkenntnis offenbart sich zum Beispiel beim Wandern im Gebirge. Nur die eigenen Beine tragen einen von der Stelle. An gefährlichen Stellen muss jeder Schritt bewusst gesetzt werden. Denkt man an etwas anderes als den Augenblick, kommt man ins Stolpern und stürzt evtl. ab.

Nur wenige Menschen sind in der Lage, ihre eigenen Verfehlungen und Fehler zu erkennen. Denn wenn man zu viel Staub in den Augen hat, kann man nichts sehen und nur wenn man fragt, bekommt man Hilfe ansonsten nichts zu machen ist. Nur selbst kann man erkennen, dass man verantwortlich ist für das eigene Leben. Wenn man dies begreift und sein Verhalten entsprechend ändert, kann man gesund werden. Menschen, die bei einem Unfall knapp dem Tod entronnen sind oder deren Selbstmordversuch fehlschlug, haben oft das Gefühl, das Leben ein zweites Mal von den Göttern geschenkt bekommen zu haben. Sie arbeiten an sich selbst und ändern ihr Leben oft dramatisch, da sie einen tiefen Einblick in ihr eigenes Verhalten gewonnen haben.

So erkenn ich das Karma meines Gegenübers

Die Vergangenheit ist Dunkel. Die Zukunft ist ungewiss. Ich kann nur in der Gegenwart handeln.

Wenn ich in Trance gehe, befinde ich mich vor drei Spiegeln oder drei verschlossenen Türen (hier gebe ich nur ein Beispiel mit dem Spiegel an). Der eine führt in die Vergangenheit, der andere in die Gegenwart und der dritte in die Zukunft. Im Spiegel der Vergangenheit taucht manchmal unwillkürlich das Bild der Person auf und das, was sie früher getan und erlebt hat. Diese Information brauche ich, um zu wissen, wie der Mensch ist, der vor mir steht. Über diesen Spiegel gebe ich hundertprozentig Auskunft. Auch im Spiegel der Zukunft kann ich Dinge erkennen. Ich sehe sogar oft, wie die Person sterben wird. Darüber aber berichte ich nur die Hälfte, um den Menschen nicht zu ängstigen und ihm seine volle Handlungsfähigkeit zu erhalten, damit er seinen Lebensplan vollenden kann.

Sanskrit Definition für Karma

Im Sanskrit heisst Karma „karman“ und wird wie folgt definiert:

(dt. Karma, welches die Form des Nom.Sg. ist); Tat, Handlung, Aktivität

Karma kann verstanden werden als:

  • Eine geistige oder körperliche Handlung
  • Konsequenz einer geistigen oder körperlichen Handlung
  • Die Summe allen Tuns eines Individuums in diesem oder vorangegangenem Leben
  • Die Kette von Ursache und Wirkung in der moralischen Welt

Rituelles Handeln – Das Gesetz des Karma gehört zu den Fundamentalen verschiedener Traditionsströme, die auf indischem Boden entstanden sind, und findet sich in ähnlicher Form in vielen anderen Religionen, denen es um die ethische Verantwortlichkeit des Menschen für sein Tun geht.

In der Kombination mit dem Reinkarnationskonzept versucht es zu erklären, warum Menschen in unterschiedliche Lebenssituationen kommen. Krankheit und Leid sind in diesem Zusammenhang Aufgaben der Reifung, die sich eine Seele gestellt hat, um den Weg zu Gott zurückzufinden.

Oft wird das Karma-Konzept als eine Schicksalsgläubigkeit missverstanden. Tatsächlich meint es aber, dass der Mensch die vollständige Verantwortung für sein Tun hat und deshalb auch die Freiheit besitzt, jetzt einen neuen Weg einzuschlagen.

Die spirituelle Entwicklung beinhaltet die Loslösung vom Konzept des Karmas, der Befreite handelt zwar auch, tut dies aber nicht mehr aus individuellen Motiven heraus; er wird deshalb durch seine Handlungen nicht mehr gebunden.

Man unterscheidet drei Arten von Karma: āgāmikarman – prārabdhakarman – sancitakarman

Āgāmikarman – das herankommende Karma – zukünftiges Karma

Es entsteht durch Handlungen und Wünsche in der Gegenwart und wirkt sich nach dem Gesetz der Kausalität in der Zukunft aus.

Āgāmikarman sollte von dem aufgehäuften Karma, welches sich gegenwärtig auswirkt oder dessen Auswirkung noch bevorsteht (prārabdhakarman), unterschieden werden.

Āgāmikarman ist von besonderer Bedeutung, da man durch die gegenwärtigen Taten und Wünsche die eigene Zukunft beeinflussen kann.

Prārabdhakarman – begonnen – angefangen

Sancitakarman – angesammeltes – angehäuftes Karma

Die angesammelten Charaktertendenzen (samskāra), die ein Mensch in vergangenen Leben geschaffen hat und die darauf warten, sich in einem zukünftigen Leben auszuwirken.

Im gegenwärtigen Leben ist das sancitakarman nicht aktiv, sondern in einem Samenzustand; durch spirituelle Praxis, insbesondere durch samādhi (Sammlung, Einheitserfahrung, reines Bewusstsein), können diese Samen geröstet und damit ihrer Wirksamkeit beraubt werden.